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“Es war einmal vor langer Zeit …” So oder so ähnlich könnte auch dieser Beitrag anfangen, denn das Thema Säure ist keinesfalls neu. Leider haben sich mit der Zeit Mythen entwickelt, welche leider den Tieren nichts nützen. Doch wo endet die Wahrheit und wo beginnt das Märchen?

Teil 1: Die Wirklichkeit

Kapitel 1: Die Chemie der organischen Säuren

Beim Einsatz von Säuren für die Gesundheit von Tieren konzentrieren wir uns zunächst auf organische Säuren. Diese sind komplexe Verbindungen, die eine Carboxylgruppe enthalten. Wenn sie in Lösung sind, dissoziieren sie und geben Protonen ab, wodurch die Lösung saurer wird und der pH-Wert sinkt. 

Die Säurestärke wird durch die Säurekonstante, den pKs-Wert, gemessen, der angibt, wie stark eine Säure bei der Reaktion mit Wasser protoniert wird (je niedriger der pKs-Wert, desto stärker ist die Säure). Es ist wichtig zu beachten, dass starke Säuren im Magen wirken, wo sie ihre bakteriostatische Wirkung entfalten und die Eiweißverdauung verbessern. Schwache Säuren hingegen wirken hauptsächlich im Darm und beeinflussen verschiedene Körperfunktionen. Daher ist es ratsam, ein Säuregemisch einer einzelnen Säure vorzuziehen, da es ein breiteres Spektrum an Wirkungen bietet.

Kapitel 2: Der Pfuffer

Um sicherzustellen, dass der pH-Wert des Trinkwassers stabil bleibt und die Sicherheit der Tiere gewährleistet ist, ist es entscheidend, einen geeigneten Puffer in die Säuregemische einzubringen. Dieser Puffer verhindert ein übermäßiges Absinken des pH-Werts und gewährleistet so eine angemessene Wasserqualität. Die genaue Dosierung sollte durch einen Tropfentest vor Ort in Verbindung mit der jeweiligen Säure erfolgen, da dies von der individuellen Pufferkapazität des Wassers abhängt. Eine pauschale Aussage wie "1 Liter auf 1000 Liter" ohne vorherige Probe ist nicht nur unzureichend, sondern auch riskant und nicht nur im Märchen ein böser Scherz.

Kapitel 3: Der richtige pH-Wert

Wir streben einen pH-Wert zwischen 4 und 3,5 an, wenn wir das Wasser ansäuern. Innerhalb dieses Bereichs wird die Säure effektiv und verhindert die Bildung von säureliebenden Schimmelpilzen in den Rohrleitungen. Diese Schimmelbildung kann zu schnellen und weitreichenden Verstopfungen führen. Zusätzlich stoppen wir jegliches Bakterien- und Hefewachstum, sobald der pH-Wert unter 4 liegt.

Kapitel 4: Die Mischung macht’s

Die sagenumwobenen Inhaltsstoffe von Säuregemischen bieten erstaunliche Möglichkeiten zur Verbesserung der Tiergesundheit. Ätherische Öle zeigen wirksame Eigenschaften gegen Kokzidien und besitzen eine bakteriostatische Wirkung. MCFAs (mittelkettige Fettsäuren) beeinflussen sowohl grampositive Bakterien als auch die Bildung von weißen Blutkörperchen, was direkt die Stärkung des Immunsystems unterstützt. Zusätzlich wirken Monoglyceride der Buttersäure effektiv gegen grampositive Bakterien und tragen zur Stabilisierung des Darmmikrobioms bei.

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Teil 2: Das Märchen

Kapitel 5: Die Kupfer-Masche

Im Land der Märchen und Wunder gibt es auch Marketingstrategien, die mit Inhaltsstoffen wie Kupfer in Säuregemischen werben. Leider sind diese oft mehr Märchen als Wirklichkeit. Um tatsächlich wirksam zu sein, benötigt man mindestens 300 g Kupfer pro 1000 kg, was jedoch seit 2018 aufgrund einer EU-Verordnung nicht mehr erlaubt ist. Daher enthalten die heute beworbenen "Kupfersäuren" nur noch 2,5 g Kupfer pro 1000 kg. Hier wird eher die ästhetische Wirkung des blauen Kupfers betont, anstatt einen tatsächlich wirksamen Inhaltsstoff anzubieten. Vielleicht schafft es ein geschickter Verkäufer, aus weniger mehr zu machen, aber letztendlich könnte es auch einfach nur eine gut erzählte Geschichte sein.

Kapitel 6: Säure ist Säure, oder?

Mythisch geht es direkt weiter zu einem weiteren, nicht unbedeutenden, aber oft angesprochenen Inhaltsstoff: Benzoesäure. Der Name klingt nach Säure, und das ist sie auch tatsächlich. Es handelt sich um eine aromatische Carbonsäure, die jedoch ausschließlich als Konservierungsmittel dient. In großen Mengen und in Kombination mit anderen Produkten kann sie jedoch schädlich für die Verdauung sein. Ironischerweise wird diese Säure manchmal für eine bessere Verdauung eingesetzt.

Kapitel 7: Die reinigende Wirkung

Ein hartnäckiges Märchen besagt, dass Säure die Trinkwasserleitungen reinigt. Kurz gesagt: Nein, Säure kann dies nicht bewerkstelligen. Im Gegenteil, ein hochwertiges und wirkungsvolles Säuregemisch enthält Biomasse, die in die Leitungen gelangt und daher eine zusätzliche Reinigung erforderlich macht. Ein unsachgemäßer Einsatz von Säure kann die Leitungen sogar verschmutzen, da Pilze ein leicht saures Milieu bevorzugen und in angesäuertem Trinkwasser besonders gut gedeihen.

 

Epilog

Es ist wichtig zu betonen, dass ein dauerhafter Einsatz von Säure vermieden werden sollte, nicht nur aus finanziellen Gründen. Der richtige Zeitpunkt, die Dauer und die Auswahl des Säuregemischs sollten individuell und herdenspezifisch sein und erfordern daher professionelle Beratung.

Dennoch gibt es überzeugende Argumente für einen korrekten Säureeinsatz im Trinkwasser: Es hemmt das Wachstum von Bakterien, Hefen und Pilzen, verbessert die Futterverwertung und insbesondere die Eiweißverdauung, unterstützt das Gleichgewicht des Darmmikrobioms, bekämpft effektiv gramnegative und grampositive Bakterien und reduziert die Auswirkungen von Kokzidien. Ein solcher Einsatz fördert das Immunsystem und somit die Gesundheit der Tiere.

Durch den gezielten Einsatz eines hochwertigen Säuregemischs zum richtigen Zeitpunkt und in der korrekten Menge wird die Leistungsfähigkeit der Tiere gesteigert und somit die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs verbessert.

 

Interessiert an weiteren Informationen?

Nehmen Sie Kontakt mit Carola Basmer auf: c.basmer@schippers.eu 

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